Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  Joachim Brohm
D  |  E
Joachim Brohm: 98 2-2, aus: Areal, 1992–2002, © VG Bild-Kunst, Bonn, 2013, Joachim Brohm

Joachim Brohm (*1955)

Joachim Brohm gehört in Deutschland zu den ersten Künstlern seiner Generation, die Ende der 1970er-Jahre die Farbphotographie für sich entdeckten. Anders als die Schwarzweiß-Photographie, die als künstlerisches Medium schon lange international eingeführt war, hatte die Farbphotographie zu Beginn der 1980er-Jahre in Europa und Deutschland kaum Einzug gehalten. Doch wurde sie an den Hochschulen in Essen und Düsseldorf, insbesondere vor dem Hintergrund von Katalogen und Monographien aus den USA als neu zu entdeckende Ausdrucksform diskutiert. Folgerichtig ging Brohm nach Ende seines Studiums an der Universität Essen GHS/Folkwang 1983 für ein Jahr an die Ohio State University, Columbus, um bei Allan Sekula und Jonathan Green weiter zu studieren. In Ohio konnte er in nächster Umgebung der aktuellen amerikanischen Diskussion über Photographie folgen und unmittelbar in seinen eigenen dort entstandenen Photographien umsetzen. Vorbilder für ihn waren William Eggleston, William Christenberry, Stephen Shore oder Joel Meyerowitz.
Die Zeichen der Zeit zu lesen, sei es in individuellen Gestaltungsmomenten oder in großflächig sich verändernden landschaftlichen oder baulichen Strukturen ist seit Beginn seines Schaffens eines der Hauptanliegen von Joachim Brohm und kennzeichnet auch die in den 1980/90er-Jahren im Ruhrgebiet entstandenen Photographien. Darunter befinden sich auch jene Motive, für die sein Werk besonders bekannt wurde: Unprätentiöse Panoramen, städtische Randzonen, Ansichten von Vegetation, Straßen und Strukturen, von Autos oder kleinfigurig dargestellten Menschen, die sich irgendwo zwischen Badeanstalt und Brachland bewegen, wiedergegeben in einer austarierten Farbigkeit zwischen zurückhaltenden Neutraltönen und punktuell bunt Leuchtendem.
Konzentrierte sich Joachim Brohm immer wieder auf triviale Momente urbanen Geschehens und auf beinah unmerkliche Spuren, Abdrücke und Hinterlassenschaften sich überlagernder Lebensumstände, so bot ihm die photographische Studie Areal, die er zwischen 1992 und 2002 durchführte, nochmals in anderer Weise Gelegenheit, Phänomene eines Status quo und des Prozesshaften bildnerisch zu erfassen. In vielen hundert Aufnahmen, von denen sich eine Auswahl im Bestand der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur befindet, dokumentierte er die Veränderung eines Geländes im Norden von München, von der ursprünglich industriellen Nutzung hin zu einer Büro- und Wohnungsbebauung. Die von Brohm vorgenommene photographisch-topographische Studie zielt aber nicht primär auf eine Darstellung des linearen, baulichen Fortschritts. Vielmehr konzentriert er sich vorzugsweise auf Teilbereiche, die zwar von den Veränderungsplänen betroffen sind, deren Erscheinungsformen aber eher provisorischen Bedingungen unterliegen.

Biographie

1955               geboren in Dülken, lebt und arbeitet in Leipzig
1977–1983     Studium der Visuellen Kommunikation an der
                       Universität Essen GHS/Folkwang
1983–1984     Stipendium der Fulbright Commission, Studium am Department of
                       Photography & Cinema, Ohio State University, Columbus, Ohio, danach
                       Arbeit als freier Photograph
1985              Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks in Arles
seit 1986        Lehraufträge für Photographie an der Fachhochschule Bielefeld;
                      Fachhochschule Dortmund; The School of the Art Institute of Chicago,
                      Salzburg College, Salzburg
1988              Stipendium der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung für
                      zeitgenössische deutsche Photographie
1993              Professor für Photographie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst,
                      Leipzig
2001/2002     Gastprofessur an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich
2003–2011     Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig

Literatur

Joachim Brohm. Kray, Edition der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Hrsg. Timm Rautert, Texte Heinz Liesbrock, Thomas Weski, Oberhausen: Plitt Druck und Verlag GmbH, 1995; Joachim Brohm. Areal. Ein fotografisches Projekt 1992–2002, Texte Regina Bittner, Urs Stahel, Göttingen: Steidl, 2002; Joachim Brohm. Ruhr, Hrsg. Heinz Liesbrock für das Josef Albers Museum Quadrat, Text Heinz Liesbrock, Göttingen: Steidl, 2007; Brohm / Ottersbach – Culatra / Areal, Hrsg. Kirsten Nordahl, Text Thomas Wagner, Göttingen: Steidl, 2009; Joachim Brohm. Ohio. Fotografien 1983–1984, Hrsg. Thomas Weski, Texte Thomas Weski, Vince Leo, Göttingen: Steidl, 2009; Joachim Brohm. COLJOR, Hrsg. Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur und Landesgalerie Linz am Oberösterreichischen Landesmuseum, Text Gabriele Conrath-Scholl, München: Schirmer/Mosel, 2010.

13. Juni bis 3. Juli 2016:

Der typologische Blick – Ausstellung für Hilla Becher

Eröffnung:
Sonntag, 12. Juni, 17 Uhr

weitere Informationen und Veranstaltungen


Wir möchten Sie auf folgendes Ausstellungswochenende in Düsseldorf hinweisen - weitere Informationen finden Sie hier.

__________________________________

Rahmenprogramm zur Ausstellung Mit anderen Augen

KünstlergesprächePorträtaktionenKinderführungen

Veranstaltungsübersicht

demnächst:
"Studenten für Studenten":
Öffentliche Führung am Dienstag, 17. Mai, 18 Uhr, weitere Informationen

Internationaler Museumstag:
Sonntag, 22. Mai, geöffnet 10 bis 19 Uhr, Eintritt frei, öffentliche Führung durch die Ausstellung um 15 Uhr und 17 Uhr, Porträtaktion für Kinder um 15 Uhr

Künstlerinnengespräch:
Sonntag, 29. Mai, 18 Uhr, mit
Mette Tronvoll, weitere Informationen

_________________________________

Öffentliche Führungen

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellung, 15 Uhr, ohne Voranmeldung

Die Photo-Detektive...Wir entdecken eine Ausstellung:
Führungen für Kinder von circa 6-12 Jahren; individuelle Buchungen möglich, Infos unter Tel.: 0221/88895300

nächster Termin:
Samstag, 21. Mai, 15–16.30 Uhr

Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

On Tour:

August Sander –
Der Westerwald im Spiegel
der Zeit


30. April bis 30. September 2016

Kreisverwaltung Altenkirchen

Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!