Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  Judith Joy Ross
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Aus der Reihe / from the series Eurana Park, Weatherly, Pennsylvania, 1982. Ohne Titel | Untitled © Judith Joy Ross

Judith Joy Ross (*1946)

Die amerikanische Photographin Judith Joy Ross zeigt uns psychologisch einfühlsame Portraits von Menschen, die das Individuelle ebenso wie eine weite Spannbreite emotionaler Befindlichkeiten und Physiognomien vor Augen führen: Kinder, aufgenommen in ihrer Freizeit und Schule, Jugendliche auf dem Sprung in die Erwachsenenwelt, Menschen in der Begegnung mit politischen Fragestellungen wie Teilnehmer von Anti-Kriegsdemonstrationen, Männer und Frauen in ihren Berufen, engagiert im Ehrenamt oder in elterlicher Rolle. Dabei begegnet sie dem Einzelnen mit großer Offenheit und Respekt, sucht sein Bild im Alltag, fern von Schönheitsidealen und medialen Klischees. Öffentliche Orte wie der Stadtpark oder das Denkmal für die Gefallenen und Vermissten des Vietnamkriegs in Washington, D.C., sind ihr ebenso würdige Orte zu photographieren wie Schulen oder Straßen und Plätze der Nachbarschaft. Dann ist es die spezifische Präsenz der Aufgenommenen, der Augenblick der Kontaktaufnahme, die Judith Joy Ross mit Freude erlebt und faszinieren. Die Kamera wirkt dabei auf ihre eigene Wahrnehmung wie ein klärender Filter. So versteht sich, dass sie, nach dem Rezept für ihre Aufnahmen befragt, einmal antwortete, dass sie sich weniger als Urheberin der Bilder sieht, denn als Vermittlerin einer gemeinsam erlebten Situation.
Ihre Arbeit verfolgt die Künstlerin bevorzugt in über längere Zeit entwickelten Bildgruppen, die verschiedene Personenkreise und gesellschaftliche Hintergründe ansprechen. Dabei ist ihr August Sander ein wichtiges Vorbild. Wie der berühmte deutsche Photograph hat auch sie ein individuelles Gesellschaftspanorama entworfen, ausgehend von ihrer Heimatregion in Pennsylvania, USA. Während Sander seinem Projekt eine weitgreifende, fast wissenschaftliche Systematik zugrunde legte, die er über Jahrzehnte hinweg beibehielt und vervollständigte, folgt Ross einem persönlichen Arbeitsprogramm, in dem alle von ihr erarbeiteten Sequenzen als Einheiten verstanden werden, die auf verschiedenen Ebenen Aspekte des menschlichen Lebens berühren.
Zur Umsetzung ihrer Aufnahmen greift die Photographin zu Großbildkamera und Stativ. In der Handhabung aufwendig, erfordert dies Konzentration und Geduld, ermöglicht aber im Ergebnis bewusst ausbalancierte und fein gezeichnete Photographien von großer Stofflichkeit. Diese werden von Judith Joy Ross als Kontaktabzüge von 8 x 10 inch-Negativen auf Auskopierpapier mit Goldtonung ausgearbeitet, und weisen höchst differenzierte Graustufen auf. Damit nimmt die Künstlerin ein Verfahren aus der Frühzeit der Photographie auf, überführt es in die Gegenwart und konfrontiert uns nachdrücklich mit der Magie des Realität aufzeichnenden Mediums.

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur besitzt eine Auswahl aus den SerienPortraits at the Vietnam Veterans Memorial, Washington, D.C., 1984, Easton Portraits, 1988, Hazleton Public Schools, 1992–1994, sowie Einzelbeispiele aus unterschiedlichen Projekten. 2002 fand in den Räumlichkeiten der Institution eine Kabinettausstellung mit Aufnahmen von Judith Joy Ross statt. Des Weiteren waren einige Werke in Best Of, der ersten umfangreichen Präsentation des hauseigenen Bestands, vertreten, 2006 wurden Aufnahmen von Ross im Rahmen der Sonderschau der Photographischen Sammlung anlässlich der Art Cologne gezeigt.

Biographie:

1946    geboren in Hazleton, Pennsylvania
1964    Moore College of Art, Philadelphia, Pennsylvania
1968    Institute of Design, Illinois Institute of Technology, Chicago, Illinois
1985    John Simon Guggenheim Memorial Foundation Fellowship
1986    Artist Fellowship, National Endowment for the Arts
1988    City of Easton/Pennsylvania Council on the Arts Grant
1992    Charles Pratt Memorial Award, The George Gund Foundation
1993    Pennsylvania Council on the Arts Grant
1998    Andrea Frank Foundation Award
2000    Anonymous Was A Woman Award

Einzelausstellungen von Judith Joy Ross fanden unteren anderem statt im Allentown Art Museum (1985, 1997), in der Pennsylvania Academy of the Fine Arts, Philadelphia (1987), im San Francisco Museum of Modern Art (1993), Sprengel Museum Hannover (1996), Josef Albers Museum Quadrat, Bottrop (2003, 2008) und in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln (2011).

Literatur:

Judith Joy Ross, The Museum of Modern Art, New York, Essay Susan Kismaric, New York: Harry N. Abrams, Inc. [Contemporaries: A Photography Series], 1995; Judith Joy Ross. Portraits, Sprengel Museum Hannover, Text Thomas Weski, Hannover, 1996; Judith Joy Ross. Portraits of the Hazleton Public Schools. Hazleton, Pennsylvania, 1992–1994, Yale University Art Gallery, Text: Jock Reynolds, New Haven & London: Yale University Press, 2006; Judith Joy Ross. Protest the War, Text Andrew Szegedy-Maszak, Göttingen: Steidl, Pace/MacGill, 2007; Judith Joy Ross. Living with War – Portraits, Hrsg. Heinz Liesbrock für das Josef Albers Museum Quadrat, Bottrop, Text Heinz Liesbrock, Göttingen: Steidl, 2008; Judith Joy Ross. Photographien seit 1982, Hrsg. Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Text Gabriele Conrath-Scholl/Claudia Schubert, München: Schirmer/Mosel, 2011.

Wir möchten auf unser umfangreiches Begleitprogramm hinweisen:

Donnerstag, 14. September, 19 Uhr:
Öffentliche Abendführung durch die Ausstellung "Il deserto rosso now" mit Daniel Kothenschulte

Montag, 18. September, 19 Uhr:
Filmabend "Il deserto rosso / Die rote Wüste", von Michelangelo Antonioni (1964), im Kino Filmpalette, Lübecker Str. 15, Köln

Donnerstag, 12. Oktober, 19 Uhr:
Vortrag "Ein Blick zurück auf 'Die rote Wüste'. Die Leere als zentrales Motiv bei Antonioni und Pasolini", von Prof. Christina Natlacen, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig

Samstag, 20. Oktober, 19 Uhr:
Kulturpreisverleihung der DGPh an
Duane Michals
Saal, 1. OG, Im Mediapark 7, Köln

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Intermezzo Raum 2:

Duane Michals

21. Oktober – 5. November 2017

Eine Ausstellung anlässlich der Kulturpreisverleihung der DGPh

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Öffentliche Führungen:

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellungen, um 15 Uhr,
ohne Voranmeldung,
Treffpunkt an der Ausstellungskasse (Eintritt + 2 Euro)
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Veranstaltungen für Kinder:

Die Photo-Detektive...
Wir entdecken eine Ausstellung


Für Kinder von 6–10 Jahren

die nächsten Termine:
Samstag, 14. Oktober, 15–16.30 Uhr
Samstag, 11. November, 15–16.30 Uhr
Samstag, 9. Dezember, 15–16.30 Uhr
mit Verena Günther

Darüber hinaus sind individuelle Buchungen für Kindergruppen möglich, Infos unter
Tel.: 0221/88895300.

Workshop "ganz in Farbe! Feuerrot, Himmelblau, Sonnengelb..." Photographische Farbexperimente für Kinder und Jugendliche von 10-14 Jahren
Samstag, 20. Januar 2018, 14–17 Uhr
mit Verena Günther, 15 Euro inkl. Material
Link zum Workshop
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Öffentliche Führung "Studenten für Studenten":

die nächsten Termine:
Donnerstag, 9. November, 17 Uhr
Samstag, 18. November, 17 Uhr
mit Hannah Rhein
nur Führungsgebühr 2 Euro


Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

Ausstellungen On Tour:

Hans Eijkelboom –
Identities 1970–2017

Fotomuseum, Den Haag
23. September 2017 – 7. Januar 2018

August Sander. Portraits 1910–1954
Galerie für Fotografie, Czytelnia Sztuki, Museum Gliwice
28. Oktober – 17. Dezember 2017

August Sander: Das Gesicht der Landschaft – Rheinland und Siebengebirge
Siebengebirgsmuseum, Königswinter
30. November 2017 – 29. April 2018
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Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!