Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  Walker Evans
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Walker Evans: Pabst Blue Ribbon Sign, Chicago, 1946, © Walker Evans Archive, The Metropolitan Museum of Art, New York

21.9.2012—20.1.2013

Walker Evans

Decade by Decade

Walker Evans (1903–1975) gehört zu den großen Persönlichkeiten der Photographiegeschichte des 20. Jahrhunderts. Sein Schaffen ist maßgeblich für eine Art der Photographie, die in die Kunst als dokumentarischer Stil einging. Er selbst nannte sein Tun auch „lyrische Dokumentation“, worin sich nicht zuletzt sein großes Faible für die Literatur spiegelt, steuerte er zunächst eine Karriere als Schriftsteller an. Ungefähr ab 1928 aber wandelte sich sein Berufsplan und die Photographie erhielt Vorrang.

Über Jahrzehnte hinweg bis in die Gegenwart gewann das umfangreiche photographische Werk von Walker Evans zunehmend Vorbildcharakter. Es beeinflusst bis heute unsere Ansichten auf beziehungsweise von der uns umgebenden Welt, insbesondere Amerika. In den fünf Dekaden seines Schaffens hat der Photograph mit nüchtern registrierenden Aufnahmen ein einzigartig authentisches Bild Amerikas aufgezeichnet und wie kein anderer vor ihm mit besonderem Empfinden für das Alltägliche und Subtile – das "American Vernacular" –, identitätsstiftende und geschichtsträchtige Momente ins Bewusstsein gebracht.

Aus der Privatsammlung von Clark und Joan Worswick hat James Crump, Kurator am Cincinnati Art Museum, eine Präsentation entwickelt, die Walker Evans gesamte Schaffenszeit und wichtige Werkphasen ebenso beleuchtet wie einen lebhaften Eindruck seiner durchgängig feststellbaren Interessen an bestimmten Bildinhalten vermittelt. Decade by Decade sucht die Evans-Rezeption zu durchbrechen, die sich vielfach – nicht zuletzt verfestigt durch die 1971 im Museum of Modern Art in New York präsentierte Retrospektive – auf seine Photographien der amerikanischen Depressionszeit in den 1930er-Jahren und auf die für die FSA erarbeiteten Bildkonvolute konzentriert. Die aktuelle Ausstellung richtet insofern ein besonderes Augenmerk auf noch unbekanntere Motive des Photographen, auch auf jene, die in den 1940er-, 1950er- und 1960er-Jahren entstanden. Sie bindet Arbeiten für die Zeitschrift Fortune ab 1945 ein oder solche, die auf Auftragsreisen nach London oder auf Aufenthalte im Haus von Robert Frank in Nova Scotia zurückgehen.

Kommen in der aktuellen Bildauswahl von Evans geschaffene Ikonen der Photographiegeschichte vor, so geschieht dies ohne Pathos und sie stehen im selbstverständlichen Fluss seiner Arbeiten. Persönliches wie Professionelles im produktiven Wechsel zueinander, der Betrachter folgt Evans’ Biographie ebenso wie dem sich wandelnden Zeitbild Amerikas, von der großen Wirtschaftskrise bis hin zu sich stabilisierenden Zeiten und geschäftigem Alltagsgeschehen: Frühe Eindrücke aus seiner Wohngegend in New York, Bildnisse seiner Freunde und Mitstreiter, die Rückschlüsse auf sein verzweigtes kulturelles Umfeld zulassen, Architekturen des 19. Jahrhunderts, die sich der gewachsenen Lebenskultur zuwenden, amerikanische Denkmale, Schaufensterauslagen fern des Big Business’, Bildreihen aus Tahiti und Kuba, afrikanische Skulpturen und Masken, entstanden im Auftrag des New Yorker Museum of Modern Art, zahlreiche Photographien, aufgenommen im ländlichen Süden der USA, die im Kontrast zum Lebensstil der Großstädter und Passanten etwa New Yorks stehen. Neben Straßenansichten kommen Beispiele seiner wichtigen Subway-Photographien vor, aufgenommen mit verdeckter Kamera. Des Weiteren erzählen Interieurs mit ihren bescheidenen Arrangements über das Leben ihrer Bewohner, Bilder, die unwillkürlich an Evans’ Bemerkung "I do like to suggest people by absence" erinnern. Aus Evans Vorliebe für Typographie, Werbung und Massenprodukte erwachsen magische-fesselnde Aufnahmen, die als eine Vorschau auf die sich bald entwickelnde Pop Art und ihre Assemblagen gesehen werden können. Das letzte photographische Kapitel, das er überlieferte, sind farbige Polaroids verdichteter Teilansichten, seien es Fahrbahnmarkierungen oder Hausbeschilderungen, konkret wie abstrakt und revolutionär zugleich. Sie sind richtungsweisend für jene Bilder, wie sie sich etwa im Werk von William Christenberry, William Eggleston oder Stephen Shore weiterentwickeln sollten. Nicht allein für sie wirkten Walker Evans Photographien wie ein Befreiungsschlag. Bis in die Gegenwart erfährt die künstlerische Photographie von seinem Blick auf die Zivilisation und ihren Spuren allseitig Anregung und findet fortwährend neue plausible Transfers.

Mit dieser Ausstellung nimmt die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, die Landesgalerie Linz am Oberösterreichischen Landesmuseum und das Huis Marseille, Amsterdam, die Gelegenheit wahr, zu einer bislang nicht da gewesenen europäischen Tournee einer solch umfassenden, auf 200 Originalabzügen einer Privatsammlung basierenden Walker-Evans-Retrospektive. Unser besonderer Dank gilt dem Sammlerpaar Clark und Joan Worswick, dem Kurator James Crump und weiteren privaten Sammlern für ihre kostbaren Leihgaben.

Publikation

Zur Ausstellung erschien im Hatje Cantz Verlag der neu aufgelegte Katalog

Walker Evans
Decade by Decade

Hrsg. Cincinnati Art Museum/James Crump, mit Texten von Aaron Betsky, Gabriele Conrath-Scholl/Martin Hochleitner,  James Crump,  deutsch/englische Version: Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Ostfildern: Hatje Cantz, 2012
ISBN 978-3-7757-3340-3
49,80 €

Raum 3:

Nico Joana Weber –
Selva Negra

15. Juli bis 16.Oktober 2016

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Förderung der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur, Köln e.V.

weitere Informationen zur Ausstellung

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Rahmenprogramm zur Ausstellung
Max Regenberg
Urban Decorations – Die dekorierte Stadt

Künstlergespräch
mit Max Regenberg
Donnerstag, 25. August, 19 Uhr
und
Donnerstag, 22. September, 19 Uhr

Rahmenprogramm zur Ausstellung
Blick in die Sammlung: Fassaden & Surfaces

Buchvorstellung
TRINITY, 2016, von Joachim Brohm und Valentina Seidel
Mittwoch, 21. September, 19 Uhr

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Öffentliche Führungen

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellung, 15 Uhr, ohne Voranmeldung

Die Photo-Detektive...Wir entdecken eine Ausstellung:
Führungen für Kinder von circa 6-12 Jahren; individuelle Buchungen möglich, Infos unter Tel.: 0221/88895300

nächste Termine:
Samstag, 27. August und 17. September, 15–16.30 Uhr

Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

On Tour:

August Sander –
Der Westerwald im Spiegel
der Zeit


30. April bis 30. September 2016

Kreisverwaltung Altenkirchen

Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!