Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  Guerrieri
D  |  E
William Guerrieri: Ingresso, Via Bruni, 2009, © William Guerrieri, 2013

2.12.2011 – 5.2.2012

William Guerrieri

Il Villaggio/The Village

2. Dezember 2011 bis 5. Februar 2012

Mit dieser Ausstellung zeigt die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Kooperation mit dem Künstler das Projekt Il Villaggio/The Village, entstanden 2009. Für die Präsentation in Köln hat William Guerrieri (*1952) die 50 Aufnahmen umfassende Serie, die erst ein einziges Mal in der Biblioteca Civica d’Arte Poletti in Modena zu sehen war, um einige unpublizierte Motive erweitert.

Der italienische Künstler konzentriert sich seit Beginn der 1990er-Jahre auf die photographische Dokumentation von Innenräumen wie Büros, Lesesäle, Flure oder Eingangssituationen, aber auch der Architektur und Landschaft gilt sein Interesse. Stets legt er seine Photographien in Serien an, bezieht aber auch historische Aufnahmen anderer Photographen oder anbindendes Material, beispielsweise aus Archiven oder vor Ort gefundene Objekte in seine Präsentationskonzepte ein. Hält er in seinen farbigen Aufnahmen den Status quo einer angetroffenen Situation nüchtern und präzise fest, so entsteht durch die Verknüpfung mit historischem Archiv- oder Gebrauchsmaterial ein Werkkomplex, der in künstlerischem Transfer auf die Geschichte eines Ortes verweist und den Aspekt aufeinander folgender Entwicklungsphasen ebenso reflektiert wie die Frage nach der Verarbeitung von Erinnerung.

Im Projekt Il Villaggio/The Village steht die photographische Erkundung eines abgesteckten Terrains im Mittelpunkt. Es handelt sich um ein Handwerkerdorf, ein Teil der norditalienischen Stadt Modena. 1949 von dem damaligen Bürgermeister Alfeo Corassori gegründet, entwarf der Architekt Mario Pucci 1953 dem Grundsatz einer möglichst nahen Verbindung von Arbeiten und Wohnen folgend die entsprechenden Gebäude. Das Konzept schien aufgegangen zu sein. Denn schon in den ersten Jahren etablierten sich über 70 handwerkliche Betriebe und kleinere Firmen. Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich die Siedlung, Manufakturen lösten einander ab und die Produktpalette wie die Produktionsbedingungen wurden gemäß den ökonomischen Bedingungen modernisiert. Diese Entwicklungen spiegeln sich in den Umgestaltungen des Geländes, der Häuser und der Innenräume und nicht zuletzt veränderte sich in Folge auch das gesellschaftlich-soziale Gefüge – ein dynamischer, sich gegenseitig bedingender Prozess, wie er an vielen Orten industrieller Prägung zu beobachten ist und für den Il Villaggio/The Village exemplarisch steht.

Im Jahr 2009, fünfzig Jahre nach Gründung des Dorfes, begibt sich William Guerrieri mit der Kamera auf Spurensuche. Vergleichbar dem geschulten Auge eines Archäologen, der mit größter Vorsicht Schicht für Schicht freilegt und für den jeder gefundene Gegenstand, sei er noch so unscheinbar und klein, ein Zeugnis seiner Zeit abgibt, entdeckt Guerrieri immer wieder unterschiedliche Hinweise, die von der Vergangenheit sowie ihren vielen verschiedenen Phasen und Facetten erzählen. Dies kann beispielsweise ein gefundenes Detail wie eine an einer Wand hängende Aufnahme zweier Männer sein, vielleicht bei einem Firmenjubiläum entstanden, das Guerrieri sozusagen als Teil einer aus dem Alltag entstandenen Assemblage ins Bild bannt. Dies können über Gegenstände hinaus aber auch umfangreiche architektonische Umgestaltungen sein, die seine Aufmerksamkeit erlangen. So zeigt eine bei Nacht aufgenommene Photographie zwei in künstliches Licht getauchte Gebäude, die wohl als Vergnügungsstätten genutzt, aber ursprünglich kaum als solche geplant worden sind. Durch die offensichtliche Umgestaltung erinnert die Szenerie fast an eine Filmkulisse. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen, still und rätselhaft zeigt sich der Ort. Bei aller dokumentarischen Treue seiner Aufnahmen schwingt immer auch Atmosphärisches mit, die Vorstellungen über den aktuellen Zustand wie auch die Lebenswirklichkeit vergangener Tage wachrufen.
Den eigenen Aufnahmen von Il Villaggio/The Village hat der Künstler Ausschnitte aus verschiedenen Werbebroschüren Ende der 1950er-Jahre sowie aus der Druckschrift First Day of the Artisan Village von 1961 hinzugefügt. Letztere enthält neben Photographien und Zeichnungen auch eine Liste aller damals ansässigen Betriebe inkl. Telefonnummern, Adressen und Straßenkarten. Teile beider Broschüren werden in der Ausstellung per Monitorausstrahlung gezeigt.

William Guerrieri ist seit 2001 Koordinator von Linea di Confine, einer in Rubiera ansässigen Organisation, die sich der photographischen Dokumentation des Strukturwandels der norditalienischen Region Emilia-Romagna verschrieben hat. Im Jahr 2007 hat die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur unter dem Titel Trans Emilia eine Auswahl aus dem umfangreichen Bildbestand von Linea de Confine präsentiert, kuratiert von Fotomuseum Winterthur. Guerrieri hat in diesem Kontext 2006 entlang der sich im Bau befindlichen Zugtrasse Bologna-Mailand photographiert (Where it was). Weitere Projekte: Ambienti pubblici/Public Spaces, 1991-1993, 1994; Oggi nessuno puó dirsi neutrale/Heute kann sich niemand mehr neutral nennen/Today nobody can call himself/herslf neutral, 1998; Oppositions, 2000.

Publikation:
Il Villaggio/The Village, Hrsg. Linea di Confine, Text von Antonello Frongia, Rubiera 2009, ital.

Raum 3:

Nico Joana Weber –
Selva Negra

15. Juli bis 16.Oktober 2016

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Förderung der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur, Köln e.V.

weitere Informationen zur Ausstellung

__________________________________

Rahmenprogramm zur Ausstellung
Max Regenberg
Urban Decorations – Die dekorierte Stadt

Künstlergespräch
mit Max Regenberg
Donnerstag, 25. August, 19 Uhr
und
Donnerstag, 22. September, 19 Uhr

Rahmenprogramm zur Ausstellung
Blick in die Sammlung: Fassaden & Surfaces

Buchvorstellung
TRINITY, 2016, von Joachim Brohm und Valentina Seidel
Mittwoch, 21. September, 19 Uhr

_________________________________

Öffentliche Führungen

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellung, 15 Uhr, ohne Voranmeldung

Die Photo-Detektive...Wir entdecken eine Ausstellung:
Führungen für Kinder von circa 6-12 Jahren; individuelle Buchungen möglich, Infos unter Tel.: 0221/88895300

nächste Termine:
Samstag, 27. August und 17. September, 15–16.30 Uhr

Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

On Tour:

August Sander –
Der Westerwald im Spiegel
der Zeit


30. April bis 30. September 2016

Kreisverwaltung Altenkirchen

Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!