Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  Aktuell
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Hans Eijkelboom: Fotonotitie (Photonotiz), Paris, 21/10/2006, © Hans Eijkelboom


HANS EIJKELBOOM
Photographische Konzepte, 1970 bis heute

Eine Ausstellung der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur,
in Zusammenarbeit mit dem Künstler

4. November 2016 bis 19. März 2017

Das künstlerische Werk des Niederländers Hans Eijkelboom (*1949) verbindet sich insbesondere in seinen Anfängen mit der in den 1970er-Jahren äußerst präsenten und international viel diskutierten Konzeptkunst. Ein Schlüsselerlebnis war für den damals noch jungen Künstler seine Teilnahme an der Ausstellung Sonsbeek buiten de perken, die 1971 in Arnheim stattgefunden hat. Heute bekannte Persönlichkeiten wie Carl Andre, Robert Smithson, Douglas Huebler und Ed Ruscha zählten zu den ausgewählten Positionen, unter deren Einfluss Eijkelboom sein Schaffen begann.

So entstehen seit den 1970er-Jahren variationsreiche Projekte, die das photographische Bild sowie vom Künstler formulierte schriftliche Angaben dazu einbeziehen. Seine Projekte beschäftigen sich grundlegend mit der Entwicklung und Existenz von Ideal- und Vorstellungsbildern, mit (photographischen) Klischees und Vorurteilen, mit Vorgängen der Typenbildung sowie dem Typisieren und Vergleichen als strukturierende Methode. In den Bildreihen, die oftmals in einem von ihm definierten Zeitrahmen umgesetzt werden, nimmt der Mensch eine Hauptrolle ein. Eijkelboom betrachtet den Einzelnen bevorzugt in seinem sozialen und räumlichen Umfeld, er initiiert Interaktionen, fordert zur konzentrierten Wahrnehmung heraus und schließt dabei sich selbst als Person nicht aus.

Ein zentrales Werk des Künstlers sind die tagebuchartigen Photoprotokolle, die er ab 1979 erstellt hat und zunächst durch eine automatische Kamera zu anonymisieren suchte. In Anbindung daran betreibt er seit 1992 – nun wieder selbst auf diskrete Weise die Kamera bedienend – seine Fotonotities (Photonotizen). Aufgenommen werden diese in den Geschäftsstraßen unserer Großstädte, jeden Tag während der Dauer zwischen 20 Minuten und vier Stunden. Vor allem sind es die Passanten bzw. ihre Outfits, Gesten und ihr Habitus, die er zunächst in Arnheim, Amsterdam und in anderen niederländischen Städten schnappschussartig und nach täglich neu bestimmten Kriterien festhält. In diese photographische Langzeitstudie hat er kontinuierlich 40 weitere internationale Städte einbezogen. Eijkelbooms Auslöser reagiert auf das, was uns selbstverständlich erscheint und tagtäglich begegnet: Businessanzüge, Hawaiihemden, Ringel- und Nummernshirts, Hosen mit floralen Mustern oder winterliche Steppjacken. Geschaffen hat er so einen Fundus unzähliger Aufnahmen, die er nach Motiven, Tagen und Jahren geordnet vorstellt, einen „Straßenatlas“ individueller Art.

Erst 2014 hat Hans Eijkelboom seine Photonotizen unter dem Titel People of the Twenty-First Century veröffentlicht und damit nicht nur das enzyklopädisch angelegte Porträt- und Gesellschaftswerk des Photographen August Sander gewürdigt, sondern auch dessen Leistungen als Vorläufer der Konzeptkunst.

Hans Eijkelboom zählt zu den Teilnehmern der documenta 14, mit Stationen in Kassel und Athen.

Zur Ausstellung von Hans Eijkelboom gibt die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur einen Künstlerkatalog (ndl., deut., engl.) heraus, u. a. mit Texten des Künstlers und von Gabriele Conrath-Scholl, Hans den Hartog Jager, Dieter Roelstraete und Gerrit Willems (Snoeck Verlag).

Das Ausstellungsprojekt wird großzügig unterstützt von:
     

     


zeitgleich:

Blick in die Sammlung:
Bernd & Hilla Becher – Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebietes

Eine Ausstellung der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur
4. November 2016 bis 19. März 2017

Die Photographien der Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebietes stehen am Beginn des künstlerischen Werks von Bernd und Hilla Becher (1931–2007, 1934–2015). Zwischen 1958 und 1974 erarbeitet, hat sich bei diesem Konvolut die konsequente Darstellungsweise eines Objekttyps in sogenannten Typologien bereits früh bewährt. Analyse und Synthese sollte sich nicht allein im präzisen Einzelbild erfüllen, sondern auch in den quasi wissenschaftlichen Gruppierungen der Photos.
1977 gaben Bernd und Hilla Becher ihr erstes Buch zum Thema heraus, dem weitere monographisch angelegte Publikationen zu einzelnen industriellen Bauformen folgen sollten. Im Buch zu den Fachwerkhäusern erfährt man, dass sich im Siegerland, einer der ältesten Erzbergbauregionen, jene typische Form des Ständerfachwerks seit Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte. Schmucklos und aus einzelnen vorgefertigten Elementen zusammengesetzt, handelt es sich hierbei um eine ausgesprochen ökonomisch rationalisierte Bauweise. Für die Bechers spiegelte sich in dieser Form des Hausbaus das industrielle Gestaltungsprinzip von „Form follows Function“ in individueller Art und Weise. Dem Künstlerpaar gaben die Wohnhäuser den Impuls zu einzigartig klaren Ansichten, die sie einer neuen visuellen Ästhetik und Grammatik überführten. Zugleich dokumentierten sie damit Siegener Industrie- und Kulturgeschichte. 2002 wurden die Fachwerkhaus-Typologien auf der documenta 11 ausgestellt, des Weiteren mehrfach in Siegen und bereits 2006, noch zu Lebzeiten von Bernd und Hilla Becher, in Köln. Auf Grundlage ihres Installationskonzepts finden die Arbeiten nun eine erneute Präsentation.

2004 hat die Kunststiftung NRW den Ankauf von 15 Typologien von Bernd und Hilla Becher zum Thema der Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebiets gefördert. Damit wurde das Konvolut für den gemeinschaftlichen Bestand des Museum für Gegenwartskunst Siegen und der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln gesichert. In Köln findet es somit Anbindung an weitere bedeutende Werkbestände von Bernd und Hilla Becher.

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Köln,
Tel.: 0221/88895300, www.photographie-sk-kultur.de, photographie@sk-kultur.de

 

© Estate Bernd & Hilla Becher, courtesy Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, Museum für Gegenwartskunst Siegen, erworben mit Mitteln der Kunststiftung NRW

Begleitprogramm zur Ausstellung

Künstlergespräch mit Hans Eijkelboom:
Donnerstag, 8. Dezember 2016 19 Uhr
Donnerstag, 9. März 2017, 19 Uhr

Vortrag von Dr. Sinah Kloß, Ethnologin:
Donnerstag, 19. Januar 2017, 19 Uhr

Vortrag von Dieter Roelstraete,
Kurator documenta 14:

"The Book of People
"
Donnerstag, 2. Februar 2017, 19 Uhr

Photo-Workshop für Jugendliche:
Samstag, 11. März 2017, 14 bis 17 Uhr

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Öffentliche Führungen

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellung, 15 Uhr,
ohne Voranmeldung



Die Photo-Detektive...Wir entdecken eine Ausstellung:

Samstag, 3. Dezember 2016, 15–16.30 Uhr
Samstag, 11. Februar 2017, 15–16.30 Uhr
Samstag, 18. März 2017, 15–16.30 Uhr
Führungen für Kinder von circa 6–12 Jahren, mit Verena Günther
individuelle Buchungen möglich, Infos unter Tel.: 0221/88895300


Studenten für Studenten:
"Photographie als Langzeitstudie – Konzepte in Hans Eijkelbooms künstlerischem Werk",
Führung mit Lina Weber am Dienstag,
13. Dezember 2016, 17.30 Uhr

Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

On Tour:

Mit anderen Augen.
Das Porträt in der zeitgenössischen Fotografie


14. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017

Kunsthalle Nürnberg und Kunsthaus im KunstKulturQuartier

weitere Informationen zur Ausstellung

Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!