Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  Sander_Siebengebirge
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August Sander im Siebengebirge, um 1941, © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2013

2. Februar bis 6. Mai 2007

August Sander: Das Siebengebirge

Im Fokus dieser Kabinettausstellung in Raum 4 steht ein Konvolut von zwölf Photographien, die August Sander (1876–1964) um 1930 im Siebengebirge aufnahm und in einer repräsentativen Mappe zusammenfasste. In den Vitrinen wird die exquisite Kollektion durch weitere Photographien aus dem Siebengebirge ergänzt, die von Sander ebenso für eine 12 Aufnahmen umfassende Mappe, betitelt mit Der Rhein und das Siebengebirge herangezogen wurden. Sie sind jedoch kleinformatiger, entstanden als Mappeneinheit 1935, wenn auch einzelne Aufnahmen teilweise vom Beginn der 1930er-Jahre stammen. Insofern ist auch diese wiederum ein Beispiel dafür, wie kreativ August Sander sein eigenes Archiv als Pool für von ihm kontinuierlich neu entwickelte Bildreihen nutzte. Im Vergleich der beiden Bildreihen lässt sich bemerken, dass Sander die Hälfte der Motive in der späteren Mappe abwandelte und gegenüber den einnehmenden Panoramen und der wunderbaren Ansicht von der Ruine Heisterbach aus der 1930er-Jahre-Mappe noch einmal etwas nahsichtiger die geologische Beschaffenheit der Region – so zum Beispiel unter Einbeziehung eines Steinbruchs – sowie ihre von Menschen bewirkte Strukturierung Betonung fand. Ein etwas weiter gefasstes Extrakt über die Region erstellte Sander in seinem 1934 publizierten Heft über das Siebengebirge. Die meisten der darin einbezogenen Bilder sind im August Sander Archiv in der Photographischen Sammlung als Originalabzüge erhalten und werden hier ebenso in einer der Vitrinen gezeigt.

Exemplarisch verdeutlichen die Exponate nicht nur die großen Leistungen des Photographen auf dem Gebiet der dokumentarischen Landschaftsphotographie, sie unterstreichen zudem, dass die Landschaft neben dem Bereich des Portraits ein für ihn ebenso wichtiges und verwandtes Tätigkeitsfeld darstellte. Betrachtet Sander die Landschaft, so erforscht er darin zugleich ein Miteinander vieler zusammenwirkender Faktoren, seien sie natur- oder kulturgeschichtlicher Art. Von erhobenem Standort sucht er die charakteristischen Züge des Siebengebirges aufzuzeichnen, fängt spezifische Licht- und Wolkenformationen ein, dokumentiert Vegetation und Atmosphärisches, beschreibt den Verlauf des Rheins mit seinem regen Schiffsverkehr und gibt Ansichten von landwirtschaftlichen und örtlichen Bebauungen, bis hin zum Wahrzeichen der nahe liegenden Großstadt, dem Kölner Dom, der relativ klein am beinahe unendlich sich erstreckenden Horizont einer Aufnahme erkennbar wird.

Dann wieder wechselt Sander den Blickpunkt, und verschiedene Landschaftsstücke oder landesspezifische Kulturdenkmale werden in unmittelbare Nähe vor Augen gerückt.
Wie in seinem berühmten Portraitwerk, geht es Sander also nicht um eine idealisierende Darstellung seiner Motive im Einzelbild, sondern um eine lebensnahe und sachliche Aufzeichnung des fokussierten Themas in einer Reihe von typischen Aufnahmen, die vielseitig Aufschluss über den Gegenstand in seiner spezifischen Reichhaltigkeit und Entwicklung ermöglicht. Seine Intention erläuterte der Photograph beispielsweise anlässlich eines Vortrags für den Westdeutschen Rundfunk 1931 – zu einer Zeit also, als er mit seinem Buch Antlitz der Zeit, erschienen 1929, mit 60 seiner Portraitaufnahmen bereits einen großen Erfolg feierte – darin sagt er:

„Haben wir somit die Physiognomik der Menschen geschildert, so gehen wir jetzt über zu den Gestaltungen, also den Werken des Menschen, beginnen wir mit der Landschaft. Auch ihr drückt der Mensch seinen Stempel auf durch seine Werke, so daß sie sich ebenfalls wie die Sprache aus den Bedürfnissen heraus entwickelt; er verändert dadurch oft das biologisch Gewordene. Auch in der Landschaft erkennen wir wiederum den menschlichen Geist einer Zeit, den wir vermittels des photographischen Apparates erfassen können.“

Mit dieser Einstellung übernimmt August Sander eine Vorreiterrolle für weitere Photographengenerationen, die sich mit dem Sujet des Landschaftsbildes auseinandersetzen. So lassen sich die Entwicklungen bis hin zu den New Topographics oder zu Aufnahmen der Gegenwartsphotographie erahnen.
Im gegebenen Fall liegt es nahe, inhaltliche sowie formale Parallelen zu den Photographien von Henry Wessel, Petra Wittmar und Lee Friedlander zu ziehen, die sich alle mit spezifischen Formen der Kulturlandschaft auseinander setzen.

Die Präsentation August Sander: Das Siebengebirge (Raum 4) wird von den Ausstellungen Henry Wessel (Raum 1), Petra Wittmar: Medebach 1979–1983 (Raum 2) sowie Lee Friedlander. The American Monument (Raum 3) begleitet.

13. Juni bis 3. Juli 2016:

Der typologische Blick – Ausstellung für Hilla Becher

Eröffnung:
Sonntag, 12. Juni, 17 Uhr

weitere Informationen und Veranstaltungen


Wir möchten Sie auf folgendes Ausstellungswochenende in Düsseldorf hinweisen - weitere Informationen finden Sie hier.

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Rahmenprogramm zur Ausstellung Mit anderen Augen

KünstlergesprächePorträtaktionenKinderführungen

Veranstaltungsübersicht

demnächst:
"Studenten für Studenten":
Öffentliche Führung am Dienstag, 17. Mai, 18 Uhr, weitere Informationen

Internationaler Museumstag:
Sonntag, 22. Mai, geöffnet 10 bis 19 Uhr, Eintritt frei, öffentliche Führung durch die Ausstellung um 15 Uhr und 17 Uhr, Porträtaktion für Kinder um 15 Uhr

Künstlerinnengespräch:
Sonntag, 29. Mai, 18 Uhr, mit
Mette Tronvoll, weitere Informationen

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Öffentliche Führungen

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellung, 15 Uhr, ohne Voranmeldung

Die Photo-Detektive...Wir entdecken eine Ausstellung:
Führungen für Kinder von circa 6-12 Jahren; individuelle Buchungen möglich, Infos unter Tel.: 0221/88895300

nächster Termin:
Samstag, 21. Mai, 15–16.30 Uhr

Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

Neue Eintrittspreise mit Beginn der Ausstellung
Mit anderen Augen
:

Eintritt 5,50 €, erm. 3,00 €
Jeden ersten Montag im Monat freier Eintritt!

Sonderrabatt von 2,00 € bei Vorlage der Eintrittskarte in die Parallelausstellung Mit anderen Augen im Kunstmuseum Bonn

On Tour:

August Sander –
Der Westerwald im Spiegel
der Zeit


30. April bis 30. September 2016

Kreisverwaltung Altenkirchen

Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!