Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  Bernd und Hilla Becher
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Bernd und Hilla Becher (1931–2007, 1934–2015)

Die Kooperation mit Bernd und Hilla Becher geht in die Gründungsphase der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur zurück. Gegenstand dieser Zusammenarbeit, die nach dem Tod von Bernd Becher 2007 von Hilla Becher weitergeführt wurde, ist die werkgerechte Aufarbeitung des im Laufe von über 40 Jahren gewachsenen photographischen Archivs der Bechers.

Der Fokus liegt dabei auf dem seit 1961 selbst gestellten Thema der Dokumentation von Industrieanlagen in ihrer Gesamtheit. Zur Erarbeitung dieses Stoffes stellten die Künstler einerseits ihre entsprechenden Werkgruppen aus dem vorhandenen Negativmaterial zusammen, andererseits schöpften sie aus schon existierenden Bildbeständen, die gelegentlich durch noch zu ergänzende Aufnahmen aufgestockt werden. So hat sich nach und nach eine das Gesamtwerk der Bechers reflektierende Sammlung ergeben, die nicht zuletzt für den internationalen musealen Leihverkehr bereitgestellt wird. Voraussetzung hierfür sind eine sachgemäße konservatorische Betreuung und eine Inventarisierung, welche die von den Künstlern vorgesehenen Ordnungsvorgaben für Publikationen und Ausstellungen als wichtige interpretatorische Kriterien aufnimmt. Es besteht ein breiter Fundus, der die Photographische Sammlung zur Fortsetzung der Ausstellungs- und Publikationsarbeit zum Werk von Bernd und Hilla Becher befähigt.

Die Stärke des Œuvres erschließt sich besonders aus seiner Entwicklungsgeschichte sowie aus der Historie des von Bernd und Hilla Becher betrachteten Motivspektrums. Die von ihnen aufgenommenen Objekte und Anlagen gehörten oftmals bereits kurze Zeit, nachdem sie dokumentiert waren, der Vergangenheit an, standen infolge von Betriebsauflösungen zum Abbruch bereit und verschwanden vor allem in ihrer Vollständigkeit buchstäblich von der Bildfläche. Im günstigsten Fall blieben sie teilweise als Kulturdenkmäler erhalten oder sind heute als umgenutzte Bauten oder in musealen Einrichtungen und Installationen erfahrbar.

Doch schon seit Beginn der 1960er Jahre hatten die Bechers, rechtzeitig den epochalen Wandel in der Montanindustrie erkennend, prägnante Ansichten von noch weitgehend funktionstüchtigen Bergwerks- und Hüttenanlagen, darüber hinaus aber auch von weiteren Industrie- und Wohnbauten, Großapparaturen und Konstruktionen in ihren Bildern aufzuzeigen gesucht, deren Funktion weitgehend auf der Förderung, Lagerung und dem Transport von Erzen, Kohle, Gestein- und Erdmaterialien beruht. Im Laufe ihrer kontinuierlichen Tätigkeit erstellten sie, einem enzyklopädischen Arbeitsansatz folgend, ein Bildinventar, das einen großen Schatz zur Visualisierung wesentlicher Bereiche vorzugsweise der Bergbau- und Stahlindustrie darstellt. Der Kultur- und Technikgeschichte unseres Landes sowie weiten Teilen Westeuropas und Nordamerikas zugewandt, gingen sie ihrer Arbeit wechselnd zwischen den Ländern Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich, Luxemburg und Großbritannien sowie in den verschiedenen Staaten der USA nach.

Dabei hatten sie zur Realisierung ihres Konzepts, das auf eine geschichtsrelevante photographische Dokumentation industrieller Bauten zielte, bereits sehr früh ein systematisches Vorgehen und eine differenzierte künstlerische Bild- und Formensprache entworfen, die in ihrer stilistischen Klarheit nach wie vor einzigartig ist und besonders im Kontext der Concept Art einen besonderen Rang erwarb, ohne mit deren Absichten gänzlich synchron zu sein. So dürfen wichtige Traditionen, an welche die beiden Künstler anknüpfen, nicht außer Acht bleiben. Sie berufen sich vielfach auf die Frühzeit der Photographie, auf die Malerei des 19. Jahrhunderts und auf Positionen der Neuen Sachlichkeit. Des Weiteren weisen ihre Arbeiten Aspekte auf, die einer den Naturwissenschaften inhärenten, auf objektive Nachweisbarkeit gerichteten systematischen Denk- und Darstellungsweise entsprechen. Ferner verortet sich das photographische Werk von Bernd und Hilla Becher an Schnittstellen verschiedener Wissensgebiete, vor allem aber steht es innerhalb der Geschichte der bildenden Kunst und Photographie des 20. Jahrhunderts mit an vorderster Stelle.

Rahmenprogramm zur Ausstellung
Der typologische Blick

Veranstaltungsübersicht

Öffentliche Künstlerführung
mit Natascha Borowsky
Montag, 13. Juni, 18 Uhr

Vortrag "Bernd und Hilla Becher – Ein epochales Werk in seiner Entwicklung"
von Gabriele Conrath-Scholl, Leiterin Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Mittwoch, 15. Juni, 19 Uhr, Ausstellungsraum

Öffentliche Künstlerführung
mit Stefan Schneider
Montag, 20. Juni, 18 Uhr

Öffentliche Künstlerführung
mit Matthias Koch
Montag, 27. Juni, 18 Uhr

Filmpräsentation "Die Fotografen Bernd und Hilla Becher", 2010/2011, 94min.
ein Film von Marianne Kapfer
Donnerstag, 30. Juni, 19.30 Uhr,
Eintritt 7,50/erm. 5 Euro

Aufgrund der kurzen Laufzeit wird die Ausstellung auch mittwochs geöffnet sein
(14 bis 19 Uhr).

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Öffentliche Führungen

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellung, 15 Uhr, ohne Voranmeldung

Die Photo-Detektive...Wir entdecken eine Ausstellung:
Führungen für Kinder von circa 6-12 Jahren; individuelle Buchungen möglich, Infos unter Tel.: 0221/88895300

nächster Termin:
Samstag, 25. Juni, 15–16.30 Uhr

Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

On Tour:

August Sander –
Der Westerwald im Spiegel
der Zeit


30. April bis 30. September 2016

Kreisverwaltung Altenkirchen

Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet,
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!