Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  August Sander
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August Sander: Photograph (August Sander), 1925, © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2017

August Sander (1876–1964)

„Das Wesen der gesamten Photographie ist dokumentarischer Art,“ so schrieb August Sander in einem seiner Vorträge, die er 1931 im Westdeutschen Rundfunk hielt und formulierte damit einen Kernsatz, der während seiner gesamten Laufbahn für die Arbeitsauffassung des Photographen maßgeblich war.

August Sander gilt als bedeutender Wegbereiter einer zu seiner Zeit neuen Richtung innerhalb der Entwicklung seines Mediums, die heute unter der Bezeichnung der dokumentarisch sachlich-konzeptuellen Photographie Fortsetzung findet. Berühmt wurde der in Herdorf (Siegerland) geborene Photograph durch das um 1924 entworfene Werk Menschen des 20. Jahrhunderts, in dem er mehrere Hundert seiner Portraits von Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen entsprechend einem von ihm angelegten Konzept über Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Bildmappen zusammenführte. Ausschnitte dieses Werks wurden erstmalig 1927 in einer Ausstellung im Kölnischen Kunstverein gezeigt und 1929 in seiner ersten Buchpublikation unter dem Titel Antlitz der Zeit veröffentlicht. Mit diesem 60 Portraits umfassenden Bildbuch war es Sander gelungen, ein Gesellschaftsportrait seiner Zeit darzustellen, das auf die Reflexion des Individuellen in Beziehung zum Typischen der jeweiligen Gesellschafts- und Berufsgruppe sowie auf die Frage der gegenseitigen Beeinflussung von Mensch und Gemeinschaft abzielte.
Vergleichende Photographie und unmittelbare Beobachtung sind dabei die treffenden Stichworte, die Sanders methodische Vorgehensweise charakterisieren und auf sein Bemühen um vorurteilsfreie und wirklichkeitsnahe Darstellung hindeuten. Denn vor allem im Nebeneinander der Bildreihen sah er die Möglichkeit, typische Physiognomien und Körpersprachen unterschiedlicher Berufsstände, Geschlechter und Generationen sowie individuelle Erscheinungsweisen hervortreten zu lassen.
Von der großen Resonanz die Antlitz der Zeit erhielt, zeugen viele Besprechungen, so beispielsweise von Kurt Tucholsky oder Walter Benjamin, der besonders auch auf die aufklärerische Wirkung des Portraitwerks vor dem Hintergrund der drohenden nationalsozialistischen Herrschaft hinwies, was sich heute wie eine Vorahnung auf das Kommende liest. Fünf Jahre später wurden die Druckstöcke zu Sanders Antlitz der Zeit von den Nationalsozialisten zerstört und der weitere Vertrieb des Buches eingestellt; ein Berufsverbot – wie häufig zuvor vermutet – wurde jedoch nicht verhängt.
Parallel zu seiner extensiven Portraitarbeit widmete sich Sander seit jungen Jahren auch anderweitigen Motivbereichen wie der Landschaft oder der Architektur und entwarf ebenso für diesen Teil seiner Arbeit zahlreiche Bildmappen. Zudem stand er in regem Austausch mit vielen Kunstschaffenden – insbesondere den Kölner Progressiven um Heinrich Hoerle und Franz Wilhelm Seiwert – für die er unzählige photographische Arbeiten übernahm, und auch Auftraggeber aus dem Bereich der Industrie und des Handwerks schätzten die professionellen Leistungen aus dem 1911 in Köln gegründeten Atelier.
Dem Wesen und Werden der Photographie hatte August Sander in seiner insgesamt rund 70jährigen Tätigkeit beinahe in jeder Beziehung – sei es hinsichtlich der Technik, der Wahl oder Komposition eines Motivs oder in Bezug auf die Verwendung und Kontextgebung – nachgeforscht. Sein Werk zeugt von einer tiefen Auseinandersetzung, die den Photographen zu einer klar definierten Form im Umgang mit seinem Medium führte, die er als exakte Photographie zu bezeichnen pflegte, deren Ursprung in den Anfängen der Photographie liegt und in absoluter Naturtreue ein Bild seiner Zeit zu geben sucht. Mehr noch sollte daraus resultieren: ein einzigartiges Werk von weit reichender kunst- und kulturhistorischer Dimension mit Vorbildfunktion.

Die weltweit größte Sammlung zum Werk des 1964 in Köln verstorbenen Photographen befindet sich heute mit unter anderem über 5.500 Originalabzügen und rund 11.000 Originalnegativen in der Photographischen Sammlung der Kulturstiftung der Sparkasse KölnBonn. 1992 wurde von der SK Stiftung Kultur (vormals City-Treff, Kulturstiftung der Stadtsparkasse Köln) von Gerd Sander, dem Enkel von August Sander, der Nachlass des Photographen erworben.Seither wird das Werk von August Sander der Öffentlichkeit in Form von Publikationen und wechselnden Ausstellungen vorgestellt (keine Dauerausstellung).

Ab dem 9. November 2017 wieder in Raum 2 zu sehen:

Blick in die Sammlung:
Francesco Neri –
Trophy and Treasure

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Öffentliche Führungen:

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellungen, um 15 Uhr,
ohne Voranmeldung,
Treffpunkt an der Ausstellungskasse (Eintritt + 2 Euro)

Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

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Veranstaltungen für Kinder:

Die Photo-Detektive...
Wir entdecken eine Ausstellung


Für Kinder von 6–10 Jahren

zum letzten Mal in diesem Jahr:
Samstag, 9. Dezember, 15–16.30 Uhr

mit Verena Günther

Die nächsten Photo-Detektive wieder ab 2018!

Am Samstag, 20. Januar 2018, 14-17 Uhr, findet der Workshop
"ganz in Farbe! – Feuerrot, Himmelblau, Sonnengelb..." Photographische Farbexperimente für Kinder und Jugendliche von 10-14 Jahren statt.
mit Verena Günther, 15 Euro inkl. Material
um Voranmeldung wird gebeten
Link zum Workshop

Darüber hinaus sind individuelle Buchungen für Kindergruppen möglich, Infos unter
Tel.: 0221/88895300.

Ausstellungen On Tour:

Hans Eijkelboom –
Identities 1970–2017

Fotomuseum, Den Haag
23. September 2017 – 7. Januar 2018

August Sander. Portraits 1910–1954
Galerie für Fotografie, Czytelnia Sztuki, Museum Gliwice
28. Oktober – 17. Dezember 2017

August Sander: Das Gesicht der Landschaft – Rheinland und Siebengebirge
Siebengebirgsmuseum, Königswinter
30. November 2017 – 29. April 2018
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Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!