Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  Joachim Brohm
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Joachim Brohm: 98 2-2, aus: Areal, 1992–2002, © VG Bild-Kunst, Bonn, 2016, Joachim Brohm

Joachim Brohm (*1955)

Joachim Brohm gehört in Deutschland zu den ersten Künstlern seiner Generation, die Ende der 1970er-Jahre die Farbphotographie für sich entdeckten. Anders als die Schwarzweiß-Photographie, die als künstlerisches Medium schon lange international eingeführt war, hatte die Farbphotographie zu Beginn der 1980er-Jahre in Europa und Deutschland kaum Einzug gehalten. Doch wurde sie an den Hochschulen in Essen und Düsseldorf, insbesondere vor dem Hintergrund von Katalogen und Monographien aus den USA als neu zu entdeckende Ausdrucksform diskutiert. Folgerichtig ging Brohm nach Ende seines Studiums an der Universität Essen GHS/Folkwang 1983 für ein Jahr an die Ohio State University, Columbus, um bei Allan Sekula und Jonathan Green weiter zu studieren. In Ohio konnte er in nächster Umgebung der aktuellen amerikanischen Diskussion über Photographie folgen und unmittelbar in seinen eigenen dort entstandenen Photographien umsetzen. Vorbilder für ihn waren William Eggleston, William Christenberry, Stephen Shore oder Joel Meyerowitz.
Die Zeichen der Zeit zu lesen, sei es in individuellen Gestaltungsmomenten oder in großflächig sich verändernden landschaftlichen oder baulichen Strukturen ist seit Beginn seines Schaffens eines der Hauptanliegen von Joachim Brohm und kennzeichnet auch die in den 1980/90er-Jahren im Ruhrgebiet entstandenen Photographien. Darunter befinden sich auch jene Motive, für die sein Werk besonders bekannt wurde: Unprätentiöse Panoramen, städtische Randzonen, Ansichten von Vegetation, Straßen und Strukturen, von Autos oder kleinfigurig dargestellten Menschen, die sich irgendwo zwischen Badeanstalt und Brachland bewegen, wiedergegeben in einer austarierten Farbigkeit zwischen zurückhaltenden Neutraltönen und punktuell bunt Leuchtendem.
Konzentrierte sich Joachim Brohm immer wieder auf triviale Momente urbanen Geschehens und auf beinah unmerkliche Spuren, Abdrücke und Hinterlassenschaften sich überlagernder Lebensumstände, so bot ihm die photographische Studie Areal, die er zwischen 1992 und 2002 durchführte, nochmals in anderer Weise Gelegenheit, Phänomene eines Status quo und des Prozesshaften bildnerisch zu erfassen. In vielen hundert Aufnahmen, von denen sich eine Auswahl im Bestand der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur befindet, dokumentierte er die Veränderung eines Geländes im Norden von München, von der ursprünglich industriellen Nutzung hin zu einer Büro- und Wohnungsbebauung. Die von Brohm vorgenommene photographisch-topographische Studie zielt aber nicht primär auf eine Darstellung des linearen, baulichen Fortschritts. Vielmehr konzentriert er sich vorzugsweise auf Teilbereiche, die zwar von den Veränderungsplänen betroffen sind, deren Erscheinungsformen aber eher provisorischen Bedingungen unterliegen.

Biographie

1955               geboren in Dülken, lebt und arbeitet in Leipzig
1977–1983     Studium der Visuellen Kommunikation an der
                       Universität Essen GHS/Folkwang
1983–1984     Stipendium der Fulbright Commission, Studium am Department of
                       Photography & Cinema, Ohio State University, Columbus, Ohio, danach
                       Arbeit als freier Photograph
1985               Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks in Arles
seit 1986        Lehraufträge für Photographie an der Fachhochschule Bielefeld;
                       Fachhochschule Dortmund; The School of the Art Institute of Chicago,
                       Salzburg College, Salzburg
1988               Stipendium der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung für
                       zeitgenössische deutsche Photographie
1993               Professor für Photographie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst,
                       Leipzig
2001/2002      Gastprofessur an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich
2003–2011     Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
seit 2011        Professor für künstlerische Photographie an der Hochschule für Grafik
                      und Buchkunst, Leipzig

Literatur

Joachim Brohm. Kray, Edition der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Hrsg. Timm Rautert, Texte Heinz Liesbrock, Thomas Weski, Oberhausen: Plitt Druck und Verlag GmbH, 1995; Joachim Brohm. Areal. Ein fotografisches Projekt 1992–2002, Texte Regina Bittner, Urs Stahel, Göttingen: Steidl, 2002; Joachim Brohm. Ruhr, Hrsg. Heinz Liesbrock für das Josef Albers Museum Quadrat, Text Heinz Liesbrock, Göttingen: Steidl, 2007; Brohm / Ottersbach – Culatra / Areal, Hrsg. Kirsten Nordahl, Text Thomas Wagner, Göttingen: Steidl, 2009; Joachim Brohm. Ohio. Fotografien 1983–1984, Hrsg. Thomas Weski, Texte Thomas Weski, Vince Leo, Göttingen: Steidl, 2009; Joachim Brohm. COLJOR, Hrsg. Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur und Landesgalerie Linz am Oberösterreichischen Landesmuseum, Text Gabriele Conrath-Scholl, München: Schirmer/Mosel, 2010; Typology 1979, Text Ulf Erdmann Ziegler, London: Mack, 2014; TRINITY, mit Valentina Seidel, Text Karen Irvine, Köln: Snoeck, 2016

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Umfangreiches Begleitprogramm zu den aktuellen Ausstellungen:

Kuratorinnenführungen:
Do., 14.3. und 23.5., 18.30 Uhr
Sa., 11.5, 17 Uhr
mit Gabriele Conrath-Scholl und
Claudia Schubert

Studenten für Studenten:
Do. 21.3. und Sa. 30.3., 17 Uhr:
Öffentliche Führung "Form und Detail im Fokus – Ästhetische Inszenierungen von Pflanzen", mit Hannah Rhein, Universität zu Köln

Slow Art Day:
Sa., 6.4.: Sonderspräsentationen aus der Sammlung:
15–16 Uhr: Pflanze – historische Positionen
16–17 Uhr: Pflanze – zeitgenössische Positionen, Eintritt frei

Artist Meets Archive: Auftaktveranstaltung
"Roselyne Titaud – Die Hummer-Quadrille":

So. 5.5., 14 Uhr: Künstlerinnengespräch und Buchpräsentation, Eintritt frei

Internationaler Museumstag:
So. 19.5., 11 bis 19 Uhr
13.30 Uhr und 15 Uhr: Öffentliche Führung
"Inspiration Natur: Photographische Werke von Karl Blossfeldt, Jim Dine und Roselyne Titaud", mit Inga Schneider, Eintritt frei

Talking & Pictures:
Do. 6.6., 19–21 Uhr: Austausch über Photographie

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Öffentliche Führungen:

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellungen, um 15 Uhr,
ohne Voranmeldung, Treffpunkt an der Ausstellungskasse (Eintritt + 2 Euro)

Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

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Veranstaltungen für Kinder:

Die Photo-Detektive...
Wir entdecken eine Ausstellung
Für Kinder von 6–10 Jahren

Nächste Termine:
Sa., 16. März
Sa., 25. Mai
Sa., 29. Juni
von 15–16.30 Uhr
Kosten inkl. Eintritt € 7,00

mit Verena Günther
....»» weitere Informationen

 

Darüber hinaus sind individuelle Buchungen für Kindergruppen möglich, Infos unter
Tel.: 0221/88895300.

Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!