Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  Wilhelm Schürmann
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Wilhelm Schürmann: Schräges Fenster, 15.4.1980, Dortmund-Steinhammerstr., © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, 2016

Wilhelm Schürmann (*1946)

Der international anerkannte Sammler und Kurator für zeitgenössische Kunst Wilhelm Schürmann hat der Photographischen Sammlung/SK Stiftung im Jahr 2007 rund 180 Vintage Prints und über 2.000 Negative seines zwischen 1979 und 1981 erarbeiteten Projekts Steinhammerstr., Dortmund, als Schenkung übergeben.
In dieser Straße, die in Dortmund-Marten in der Nähe der ehemaligen Schachtanlage Germania liegt, verbrachte Schürmann seine Kindheit und Jugend. Nachdem er 1966 sein Elternhaus verlassen hatte, kehrte er über ein Jahrzehnt später an den ihm vertrauten Ort zurück und hielt ihn in aller Sachlichkeit, aber auch voller Begeisterung für den dort angetroffenen Alltag in eindrücklichen Schwarzweißaufnahmen fest. Die für ihn wichtigsten Motive vergrößerte er und stellte sie in einer Bildreihe zusammen: Verschiedene Ansichten der Straße, Fassaden typischer Wohnhäuser, Nachbarschaften, Geschäfte aller Art, ob Reinigung oder Frisör – von innen und außen, Wohnungen, Mobiliar, Einrichtungsdetails wie Stereoanlagen, Pflanzen und dekorative Stillleben; zudem Portraits der von ihm angetroffenen Bewohner und ehemalige Nachbarn und im weiteren Radius, Gärten, Beete und Hinterhöfe, ein Bahnhofsgelände und angrenzendes Brachland.
Entstanden ist ein eindrucksvolles Portrait eines Ortes und persönlichen Lebensumfeldes, einerseits prototypisch für einen Zeitabschnitt im Ruhrgebiet , andererseits darüber berichtend, wie Menschen ihr privates, aber auch öffentliches Umfeld, letztlich ihr Miteinander gestalten und damit auch die Geschichte ihres Lebens erzählen. Mit dieser Bildreihe liefert uns Schürmann vor allem bemerkenswerte Bilder aus einer Zeit, als in Deutschland weitaus deutlicher noch die Folgen der Nachkriegszeit wirkten, die Illusionen des Wirtschaftswunders von einer Phase der Ernüchterung überlagert wurden, sich aber eine Form privater Lebenskultur verbreitet hatte, in der man sich fast im wahrsten Sinne des Wortes eingerichtet hatte – ein Klima, das schließlich auch das Leben der nächsten Generationen mitbestimmte, sei es durch eine angepasste oder kritische Haltung. Durch Schürmanns Blick bestätigt sich die Photographie als hochwirksames Mittel zur Analyse von Wirklichkeit ebenso wie zur anschaulichen Erzählung über persönliche und kollektive Ansichten und Erinnerungen. In aller Hingabe, mit Humor und Selbstironie zeigt Wilhelm Schürmann Fakt gegebene Lebensverhältnisse wie auch ein unvergessenes Lebensgefühl.

Mit der Schenkung von Wilhelm Schürmann verbindet sich für die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur erneut die Möglichkeit, einen für die deutsche Geschichte der Photographie wichtigen Werkkorpus aufzuarbeiten und langfristig zu sichern. Im Sammlungsbestand reiht er sich ein zwischen weiteren namhaften Positionen dokumentarisch orientierter Photographie, wie Bernd und Hilla Becher, Boris Becker, Joachim Brohm, Ruth Hallensleben, Horst Lang, Gabriele und Helmut Nothhelfer, Albert Renger-Patzsch, Tata Ronkholz, Petra Wittmar und nicht zuletzt August Sander.

Biographie:

1946                    geboren in Dortmund
1966–1971          Chemiestudium an der RWTH Aachen
 ab 1971              freiberufliche Tätigkeit als Photograph für verschiedene Tageszeitungen 1972                    beginnt, Photographie zu sammeln
1972–1976          Lehrer für Photographie am Institut für Architektur an der RWTH Aachen,
 ab 1973              Dozent für Photographie an der Volkshochschule Aachen
1973–1977          leitet gemeinsam mit Rudolf Kicken die Photogalerie Lichttropfen Aachen
1978                    Förderpreis der Stadt Aachen
1979                    Lehrauftrag an der Fachhochschule Aachen, Photography Workshop,
                            Salzburg College
1980                    Photography Workshop und International Summer Academy of Fine Arts,
                            Salzburg College
1981–2011           Professor für Photographie an der Fachhochschule Aachen, Fachbereich
                             Gestaltung 
1982                     Photography Workshop, Salzburg College


Einzelausstellungen mit Photographien von Wilhelm Schürmann fanden unter anderem statt in der Galerie im Riek, Essen-Kettwig (1975), Neue Galerie Sammlung Ludwig, Aachen (1976), Spectrum Photogalerie, Hannover (1977), Galerie Agathe Gaillard, Paris (1978), Salzburg College Gallery (1979, 1980, 1982), Museum Folkwang, Essen (1982), Produzentengalerie Oktogon, Hannover (1982), Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt/Main (1989), Forum Böttcherstraße, Bremen (1991), Monika Sprüth Galerie, Köln (1991), Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln (2012).

Literatur:

Wilhelm Schürmann. Fotografien, Text Klaus Honnef, Köln: Rheinland Verlag, 1979; „Wilhelm Schürmann. Auf Station, 1979–82, in: Fotonetz. Informationsdienst aktueller Fotografie auf Mikrofiche, Nr. 53, Hrsg. Andreas Horlitz, Reinhard Matz, Essen, 1985; Aachener Ansichten, Text Karl R. Höller, Aachen: J.A. Mayer, 1986; Pegel Köln, Köln: John Verlag, 1990; das nötig, Neuchâtel: Editions Travers, 1990; Wilhelm Schürmann. Wegweiser zum Glück. Bilder einer Straße 1979-1981, Hrsg. Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Text Gabriele Conrath-Scholl, Ostfildern: Hatje-Cantz, 2012.

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Umfangreiches Begleitprogramm zu den aktuellen Ausstellungen:

Kuratorinnenführungen:
Do., 14.3. und 23.5., 18.30 Uhr
Sa., 11.5, 17 Uhr
mit Gabriele Conrath-Scholl und
Claudia Schubert

Studenten für Studenten:
Do. 21.3. und Sa. 30.3., 17 Uhr:
Öffentliche Führung "Form und Detail im Fokus – Ästhetische Inszenierungen von Pflanzen", mit Hannah Rhein, Universität zu Köln

Slow Art Day:
Sa., 6.4.: Sonderspräsentationen aus der Sammlung:
15–16 Uhr: Pflanze – historische Positionen
16–17 Uhr: Pflanze – zeitgenössische Positionen, Eintritt frei

Artist Meets Archive: Auftaktveranstaltung
"Roselyne Titaud – Die Hummer-Quadrille":

So. 5.5., 14 Uhr: Künstlerinnengespräch und Buchpräsentation, Eintritt frei

Internationaler Museumstag:
So. 19.5., 11 bis 19 Uhr
13.30 Uhr und 15 Uhr: Öffentliche Führung
"Inspiration Natur: Photographische Werke von Karl Blossfeldt, Jim Dine und Roselyne Titaud", mit Inga Schneider, Eintritt frei

Talking & Pictures:
Do. 6.6., 19–21 Uhr: Austausch über Photographie

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Öffentliche Führungen:

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellungen, um 15 Uhr,
ohne Voranmeldung, Treffpunkt an der Ausstellungskasse (Eintritt + 2 Euro)

Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

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Veranstaltungen für Kinder:

Die Photo-Detektive...
Wir entdecken eine Ausstellung
Für Kinder von 6–10 Jahren

Nächste Termine:
Sa., 16. März
Sa., 25. Mai
Sa., 29. Juni
von 15–16.30 Uhr
Kosten inkl. Eintritt € 7,00

mit Verena Günther
....»» weitere Informationen

 

Darüber hinaus sind individuelle Buchungen für Kindergruppen möglich, Infos unter
Tel.: 0221/88895300.

Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!