Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur -  Henry Wessel
D  |  E
Kontakt  /  Impressum  /  Datenschutz
Henry Wessel: Night Walk No. 55, 1998, © Estate Henry Wessel

Henry Wessel: Night Walk No. 55, 1998

Die Dunkelheit oder auch der Schatten als Korrelate zum Licht, die Nacht als Gegenspieler zum Tag sind einerseits natürliche Erscheinungen, können andererseits sinnliche Erfahrungsräume oder Seinszustände beschreiben, mit denen eine veränderte Wahrnehmung einhergeht. Was am Tage benennbar und vertraut erscheint, kann sich des Nachts in rätselhafte Formationen, in phantastische Gestalten und beängstigende Atmosphären verwandeln.
    Der imposante Baum – wahrscheinlich eine Kalifornische Platane –, den der amerikanische Photograph Henry Wessel (1942–2018) 1998 in einer Wohngegend von Los Angeles zu später Stunde abgelichtet hat, nimmt mit seinem Stamm und Geäst über zwei Drittel des Bildes ein. Hinter ihm, getrennt durch eine schmale Rasen- oder Wegfläche, wird eines der typischen flachen Wohnhäuser amerikanischer Vorstädte sichtbar. Doch es ist der fast ornamental ins Bild gesetzte Wuchs des Baumes, dessen Äste an Fangarme eines amorphen Lebewesens erinnern, der die Szenerie bestimmt. Henry Wessel hat die Aufnahme wohl von der gegenüber liegenden Straßenseite gemacht. Vielleicht hat er den Lichtkegel einer Straßenlampe geschickt genutzt. Der helle Schein lässt die Oberflächenstruktur des Baumes fast weiß erscheinen und ruft gleichzeitig auskragende Schattenwürfe hervor. Die umgebende Dunkelheit erhält so eine gewisse Transparenz – Momente der Magie und ein Ausdruck von Kulissenhaftigkeit wirken auf die Bildkomposition ein.
   Wie Henry Wessel 2015 in einem Interview berichtete, ist er bisweilen zwischen 3 und 4 Uhr morgens aufgestanden und ausgerüstet mit Kamera und Stativ durch die nachtschlafenden Straßen gelaufen, um die Zeitspanne bis zum beginnenden Tag für Aufnahmen zu nutzen. Die seit den 1990er-Jahren so entstandenen Motive tragen den Titel Night Walk und sind vom Photographen nur mit einer Nummerierung und dem Entstehungsjahr bezeichnet worden, keine Ortsnennung, kein allegorischer oder assoziativer Verweis.
   Wohnstraßen und Wohnbebauung, weiter gefasst der amerikanische Lebensraum, sind die Themenbereiche, die Henry Wessel vielfach in seinem seit Mitte der 1960er-Jahre erarbeitetem Werk verfolgt hat. Zwei Guggenheim-Stipendien (1971 und 1978) sowie der Umzug von New York nach Kalifornien sind zentrale Momente in seinem Schaffensprozess. In Kalifornien war es die besondere Präsenz des Lichts, die ihn stark fesselte und nachhaltig seine Bildkompositionen bestimmte.
    Henry Wessel gehört zur Generation der „New Topographics“, er war neben Robert Adams, Lewis Baltz, Bernd und Hilla Becher, Joe Deal, Frank Gohlke und Stephen Shore in der legendären Präsentation 1975 im George Eastman-House in Rochester, NY, vertreten. 1972 richtete ihm das New Yorker MoMA eine große Einzelausstellung aus. Seine Lehrtätigkeit am San Francisco Art Institute erstreckte sich insgesamt über drei Jahrzehnte.

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln

Sonderveranstaltungen zur Ausstellung "Boris Becker – Hochbunker":

Do. 12.9., 19 Uhr
Kuratorinnenführung mit Claudia Schubert

Do. 14.11., 19 Uhr
Künstlergespräch mit Boris Becker und Gabriele Conrath-Scholl

So. 17.11.2019 und So. 26.1.2020, 11 Uhr
Führung durch den Hochbunker
Körnerstr. 101, Köln (Anmeldung erforderlich)

Fr. 22.11., 18.30 Uhr
DPGh_Fokus: Führung für Mitglieder der DGPh

Do. 12.12., 19 Uhr
Vortrag von Dr. Elke Purpus "Bunkerbilder – zwischen Inszenierung und Dokumentation"

Fr. 31.1.2020, 18.30 Uhr
Führung für Mitglieder und Gäste der Fördergesellschaft


Anmeldungen und weitere Informationen unter Tel.: 0221/88895300, photographie@sk-kultur.de

_________________________________

Buchpremiere, Signierstunde und Künstlergespräch

Do. 26.9., 19 Uhr

Andreas Mader: "Die Tage Das Leben 1988–2018"

Immer wieder hat der Photograph ihm nahestehende Freunde und Familien einfühlsam portraitiert. Über die Jahre ist so eine verdichtete visuelle Erzählung über Nähe und Vertrauen, über Veränderung und Neubeginn, über Partnerschaften, Kinder, das Erwachsen- und Älterwerden entstanden.
Andreas Mader wird ausgewählte Originalphotographien aus seinem Langzeitprojekt vorstellen ebenso wie das 2019 erschienene Buch (Edition Fotohof, Salzburg).

__________________________________

Öffentliche Führungen:

An jedem Sonntag während der Laufzeit der Ausstellungen, um 15 Uhr,
ohne Voranmeldung, Treffpunkt an der Ausstellungskasse (Eintritt + 2 Euro)

Studenten für Studenten
Do. 24.10. und Sa. 2.11., 17 Uhr

Das Führungsprogramm wird von der Fördergesellschaft der Photographischen Sammlung unterstützt.

__________________________________

Veranstaltungen für Kinder:

Die Photo-Detektive...
Wir entdecken eine Ausstellung
Für Kinder von 6–10 Jahren

Die nächsten Termine:
Sa. 28.9
Sa. 9.11.
Sa. 7.12, immer von 15–16.30 Uhr
Kosten inkl. Eintritt € 7,00

mit Verena Günther
....»» weitere Informationen

Darüber hinaus sind individuelle Buchungen für Kindergruppen möglich, Infos unter
Tel.: 0221/88895300.

Bernd & Hilla Becher
Kohlebunker

Kunstarchiv Kaiserswerth
8. März bis 1. September 2019

verlängert bis 22. September 2019!

Öffnungszeiten Sa, So, 14–18 Uhr

...»» weitere Informationen

________________________________

Neuerscheinung:

August Sander: Antlitz der Zeit
60 Fotos deutscher Menschen

Einleitung von Alfred Döblin
mit gesammelten Rezensionen 1929–1933

Hrsg. Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, zusammengestellt und bearbeitet von Gabriele Conrath-Scholl und Claudia Schubert, Schirmer/Mosel, 2019

248 Seiten, 60 Duotone-Tafeln und 32 Abbildungen, ISBN 978-3-8296-0865-7, Preis: 39,80 €

_________________________________

Kinderführungen

Öffnungszeiten und Eintritt

Während der Laufzeit ist die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen
Eintritt 5,50 € (erm. 3,00 €)
An jedem ersten Montag im Monat freier Eintritt!